SPIELsmart – Aus dem Alltag unserer Brettspielschule: Die Sanduhr
Wir üben fleißig „Galaxy Trucker“. Alle Kids haben verstanden, welche Bauteile wie angelegt werden
müssen. Hochkonzentrierte Gesichter, leise Selbstgespräche, flinke Hände. Strategien werden geplant, Risiken abgewogen, Ziele formuliert. Wer baut das stabilste Raumschiff? Wer kommt sicher durchs All?
Wer sammelt wertvolle Ressourcen? Und zuletzt die Krönung. Die Königsdisziplin: Die Sanduhr. Zack. Klack. Sie steht Kopf. Leise rieselt…gnadenlos laut rieselt das weiße Pulver – und plötzlich verändert sich alles. Stress, Angst, Panik. Ein grausames Sprichwort, veraltet, nicht kindgerecht – aber wahr: „Den Letzten beißen die Hunde.“ Die ersten Tränen kullern. Was macht Zeitdruck mit Lernen? Wann wird Herausforderung zu Überforderung? Und was passiert, wenn Leistung über Tempo definiert wird? Wir halten an. Wir trösten. Wir sprechen darüber. Darf man Regeln ändern? Die Lösung kommt von den Kids selbst: Jeder baut in seinem Tempo zu Ende. Die Reihenfolge ergibt sich wie folgt – wer fertig ist, stellt das Raumschiff auf die jeweilige Position. Kompetitiv bleibt das Spiel. Aber nicht um jeden Preis. Und die Sanduhr? Wir legen sie erst einmal weg – bis der Moment kommt und alle bereit sind, sich dieser Herausforderung erneut zu stellen und gemeinsam zu beobachten, was aus einem halbfertigen Raumschiff so werden kann.
Simone Anders