SPIELsmart – Aus dem Alltag unserer Brettspielschule: Verbotene Glücksspiele
„Mitbringtag“ im Advent – herrlich. Von „Kniffel Junior“ bis „UNO Extrem“ ist alles dabei, was normalerweise nicht in ein Modul gehört. Bei der Prüfung der Komplexität: lange Gesichter. 1.00, 1.09, 1.88 … Macht nichts. Heute wollen wir einfach spielen. Genießen. Uns nicht weiter anstrengen. Nicht komplex – aber sehr lustig: „Würfelhelden“. Die Stimmung ist ausgelassen, fast euphorisch. Und doch fällt etwas auf. Die Kinder sind nicht wirklich glücklich. Sie sind aufgedreht. Unruhig. „Aufgeheizt“. Woher kommt das? Ich beobachte. Und stelle in dieser einen Kurseinheit etwas Entscheidendes fest: Reine Glücksspiele machen innerlich nicht zufrieden. Im Gegenteil – sie tragen ein verstecktes Belohnungspotenzial in sich, das Parallelen zum Medienkonsum erkennen lässt. Wer würfelt weiter, ohne an Konsequenzen zu denken, nur in der Hoffnung auf den großen Treffer? Aber wie wahrscheinlich ist dieser überhaupt? Ein Kniffel in drei Würfen: 0,23 %. Mehr als 15 Schwerter mit sechs Würfeln? Extrem unwahrscheinlich Die Enttäuschung ist spürbar, wenn das Ergebnis nicht reicht – obwohl rechnerisch kaum etwas anderes zu erwarten war. Die Gruppe ist fahriger als sonst. Es gibt viele vermeintlich „gute“ Spiele: beliebt, schnell erklärt, gut verkauft. Aber was sind wirklich gute Spiele – pädagogisch wertvoll, spannend, nachhaltig? Nach diesem Nachmittag ist für mich klar: Reine Glücksspiele machen nicht glücklich – es sei denn, man hat Glück. Und selbst dann hält es nicht lange.
Simone Anders