Eugen Oker bei „Was bin ich?“ – Teil 1
Vor 55 Jahren, am 26. Januar 1971, trat Deutschlands erster Spielekritiker Eugen Oker unter seinem bürgerlichen Namen Fritz Gebhardt bei „Was bin ich?“ auf – leider nicht seiner Prominenz wegen. Sein Beruf, den es zu erraten galt: Spielekritiker. Als Handbewegung deutete Oker das Öffnen einer Spieleschachtel an. Die Fernsehansagerin Anneliese Fleyenschmidt (1919-2007) fragte: „Sie machen auf mich einen sehr künstlerischen Eindruck. Haben Sie im weitesten Sinne etwas mit künstlerischen Dingen zu tun?“ – „Ja.“ – Sie stellen also etwas her?“ – Ein „Ja“ mit Zögern. Er schreibt ja Rezensionen. Anneliese geht auf das Zögern ein. Sie fragt, ob sie das, was Oker herstellt, erwerben könne. „Nein“ war die spitzfindige Antwort. Die Rezension selbst kann sie nicht erwerben, wenn auch sehr wohl die Zeitung, in der die Rezension erscheint. Guido Baumann (1926-1992, Unterhaltungschef des Schweizer Fernsehens) stellte fest: „Sie sehen so lustig aus.“ – „Danke schön.“ Oker hätte auch „nein“ sagen können. Robert Lembke (1913-1989) erwiderte: „Das täuscht.“ Oker schränkte ein: „Äußerlich.“ Tatsächlich war es gerade Okers Schreibstil, der durch seinen Humor bestach. – „Erfinden Sie vielleicht Spiele?“ Woher kam diese Frage denn auf einmal? „Sind Sie Spieleerfinder?“ Oker sagt „Ja“. Oker erfand in der Tat auch Spiele selbst. Lembke konkretisierte: „Das ist nicht der Beruf, den wir suchen.“ Guido fragte: „Ja, was suchen wir denn? Sie haben noch einen Broterwerb nebenbei? Sind Sie vielleicht Sammler von Spielen? Haben Sie eine berühmte, alte Sammlung von Spielen?“ Die Antwort war nein, die Lösung indes nahe. Fortsetzung folgt.
Uwe Rosenberg