Spielen statt Krisenmodus: Wie Brettspiele unsere Gesellschaft stärken
Analoge Spiele sind wichtig, weil sie Menschen zusammenbringen und vorausschauendes, problemlösendes Denken in systemischen Zusammenhängen sowie den konstruktiven Umgang mit Unsicherheiten fördern. In einer Zeit, die oft als Phase „multipler Krisen“ beschrieben wird – geprägt von Klimawandel, Kriegen, wirtschaftlicher Unsicherheit, gesellschaftlicher Spaltung und digitaler Überforderung – fühlen sich viele ohnmächtig, isoliert oder dauerhaft unter Stress.
Gerade hier entfalten Brett- und Kartenspiele ihre besondere Kraft. Sie schaffen einen Raum, in dem Menschen sich begegnen, Regeln aushandeln, fair konkurrieren oder kooperieren. Das stärkt Resilienz: Wer spielt, erlebt die eigene Handlungsfähigkeit und Selbstwirksamkeit. Zugleich üben sich die Spielenden in Geduld, Frustrationstoleranz, taktischem Agieren, strategischem Denken und dem Umgang mit Niederlagen – alles Fähigkeiten, die helfen, auch im echten Leben mit Krisen umzugehen. Spiele fördern demokratische Kompetenzen. Sie basieren auf gemeinsamen Regeln, Gleichberechtigung, Perspektivwechsel und Kommunikation. Am Spieltisch wird verhandelt, diskutiert, gelacht und gelernt – auch dass Konflikte ohne Gewalt lösbar sind. So werden analoge Spiele zu kleinen Trainingsfeldern für eine widerstandsfähige, dialogfähige Gesellschaft.
Daniel Bernsen