Der Mutter zum Muttertag
Mein Großvater hat mir „Schach“ beigebracht, als ich 4 Jahre alt war. Das erste Autorenspiel, das ich mit Begeisterung gespielt habe, war „Kuhhandel“, eines der besten Spiele aus den 1980er-Jahren. In den Jahren zuvor war „Racko“ das beliebteste Spiel in meiner Familie. Interessant ist der Bezug dieser Spiele zu meinem „Bohnanza“ später. Schon bei „Racko“ musste nicht nur die Reihenfolge der Karten, sondern auch deren Position unverändert bleiben. Und in Rezensionen wurde „Bohnanza“ als das „Kuhhandel“ der 1990er Jahre bezeichnet. Das hat mich durchaus stolz gemacht. Für mich war das ein großes Kompliment. Mit zwölf Jahren habe ich mit Nachbarskindern begonnen, beinahe täglich „Schach“ und „Skat“ zu spielen. Mein erstes Spiel habe ich gemacht, weil einer dieser Nachbarsjungen ein Spiel für seine Mutter zum Muttertag erfunden hat, und ich es ihm nachmachen wollte. Es war ein Fußballspiel – wahrscheinlich deshalb, damit Mama es gut mit Papa spielen kann. Naja, wohl eher aus eigenem Interesse an dem Sport. Spieleerfinder bin ich im Laufe der Jahre geworden. Mit 12 hatte ich mein erstes Spiel erfunden, mit 28, im Jahr nach „Bohnanza“, wurde ich Profi. Vom Spieleerfinden eine Familie ernähren kann ich erst, seitdem ich 38 bin. Viele Spiele haben mich im Laufe der Jahre stark beeindruckt, „Caylus“ seinerzeit so stark, dass es mich zu „Agricola“ inspiriert hat. Ich freue mich über gute Spiele anderer Autoren. Traurig bin ich, wenn ich meine, dass ein Spiel überragend hätte werden können, sofern man nur ein paar wenige Regeln anders gestaltet hätte oder sich mit dem Spielregeltext etwas mehr Zeit gelassen hätte. Jedes wirklich erfolgreiche Gesellschaftsspiel kommt am Ende Allen zugute, die mit Gesellschaftsspielen ihr Geld verdienen. Am 10. Mai ist wieder Muttertag. Welches Spiel bekommt Muttern dieses Jahr geschenkt?
Uwe Rosenberg