Drive und Swing
Der Journalist Eugen Oker, der es bis in die Fernsehsendung „Was bin ich?“ geschafft hat, hat das Berufsbild des „Spielekritikers“ begründet. In der Spielbox 2/95 vergleicht er Spiele mit Jazz-Musik: „Ein Spiel muss Drive haben und Swing. Der Drive ist die Spannung, das Vorankommen, der Swing die Wahlmöglichkeit, die Alternativen im Spiel.“ (1) Oker spricht dabei die Dramaturgie und die Möglichkeit des Rezipierens an. In der Zeit von Eugen Oker hatte es kaum gute thematische Spiele gegeben. Auf das Erzählen einer Geschichte bezieht er sich nicht. Dies gewann erst nach und nach an Bedeutung. Bernhard Löhlein erklärte Jahre später in einem Interview mit der Zeit, „Wir beobachten, dass immer häufiger Geschichten erzählt werden. Wie bei erfolgreichen Fernsehserien gibt es Charaktere, die weitererzählt werden. Wenn man ein Spiel ein zweites oder drittes Mal spielt, kommen weitere Elemente hinzu. Die sorgen dafür, dass ein Spiel immer wieder neu und anders wird.“ (2) Löhlein sprach von den sogenannten Legacy-Spielen, die alle für sich ausgesprochen aufwendig in der Entwicklung waren und sich, rechnet man die Arbeitszeit mit ein, kaum rentierten. Nur. Arbeitszeit wird in der Spielebranche mit Spaß gleichgesetzt – und selten per Stundensatz vergütet. Das war schon zu Eugen Okers Zeiten so – in den 1960er und 1970er Jahren. Damals als die Menschen noch wussten, was Drive und Swing sind.
Uwe Rosenberg
Quellen
(1) Eugen Oker in der Spielbox 2/95, Seite 5
(2) Fabian Scheler auf zeit.de: Spiel des Jahres: „Wer spielt, hat mehr vom Leben“, 18. Juli 2016